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06.12.2016 09:44 Alter: 352 days

Amazon: Eisenzeitliche Siedlung historisch bedeutend


So könnte die Siedlung ausgesehen haben.

WERNE - Im Baufeld des neuen Amazon-Logistikzentrums haben die Archäologen einen wissenschaftlich viel bedeutenderen Fund gemacht, als sie bisher preisgegeben haben: eine für Westfalen bisher fast einzigartige befestigte Flachlandsiedlung.

Von einer in dieser Größe für Westfalen einzigartigen Befestigungsanlage um die eisenzeitliche Siedlung ist in dem Abschlussbericht die Rede, den Professor Dr. Michael Baales und Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie am Dienstag, 6. Dezember, im Planungsausschuss vorstellen werden. Die Grabungen haben die Stadt Werne insgesamt 336.450 Euro gekostet. In der öffentlichen Sitzung ab 17.30 Uhr in der Cafeteria des Stadthauses werden die beiden Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Erkenntnisse präsentieren, von denen bei der Führung über das Grabungsfeld nach Abschluss der Arbeiten im Sommer noch keine Rede war. 

„Die anfangs als verhältnismäßig kleine eisenzeitliche Hofanlage eingestufte Siedlung erwies sich als eine für Westfalen bisher fast einzigartige befestigte Flachlandsiedlung“, heißt es in der Dokumentation der Firma Archaeonet GbR. Und weiter: „Die Siedlung von Werne ist in ihrer Art und durch ihre weitgehende archäologische Aufdeckung in Westfalen einzigartig. Befestigte Siedlungen der Eisenzeit waren in dieser Region bisher ein Phänomen des Berglandes. Mit Gräben (und Wällen) umwehrte Siedlungen im Flachland konnten hier vor dem Fund aus Werne nur sehr ausschnitthaft in Paderborn festgestellt werden.“

Grabenanlage ungeahnten Ausmaßes

Nach ersten Untersuchungen in den Jahren 2011 bis ‘13, die Werne 120.000 Euro gekostet haben, waren die Altertumsforscher sicher, auf eine Siedlungsstelle aus vorrömischer Eisenzeit, dem Jahrtausend vor Christi Geburt, zu stoßen. Völlig überraschend entdeckten sie eine Grabenanlage ungeahnten Ausmaßes. „Die vorab auf ca. 7 400 Quadratmeter veranschlagte Untersuchungsfläche musste daher auf 2,4 Hektar erweitert werden“, schreiben die Grabungsfachleute. So liefen mit der gesetzlichen Pflicht zur dokumentarischen Sicherung die Kosten davon: Statt der veranschlagten 75.000 standen 216.450 Euro zu Buche. Nur mit diesem Aufwand konnten „vor der nicht mehr zu verhindernden Überbauung des Bodendenkmals möglichst viele Informationen als Sekundärquelle“ gesichert werden.

Im Zuge der gewaltigen Erdbewegungen auf der Amazon-Baustelle sind diese Spuren der Werner Geschichte schon verloren. Wie berichtet, dokumentieren und deuten die Wissenschaftler dazu Erdverfärbungen, die beispielsweise erkennen lassen, wo die Urahnen für ihre Bauten Pfosten in die Erde gesetzt oder Vorratsgruben gegraben hatten. So kamen in dem vergrößerten Untersuchungsraster 126 archäologisch relevanten Befunde zusammen: 71 Pfostengruben, 53 Siedlungsgruben/Grubenreste, zwei Gräben und ein antiker Bachlauf. Sie sind zugleich „Fundgruben“ der Forscher: Die Verfüllungen und Funde ließen keinen Zweifel, dass es sich hier um einen befestigten Siedlungsplatz der späten vorrömischen Eisenzeit handelt. Darauf hatten schon erste Keramikfunde gedeutet.

Die wissenschaftliche Datierung der Holzkohlefunde mit der Radiumkarbonmethode gab Gewissheit über die Epoche. Typisch für diese Zeit ist den Experten zufolge auch das Bruchstück eines Glasarmrings mit gelber Farbauflage, das bei der Grabung geborgen werden konnte. Die Wissenschaftler machten vier kleine Grundrisse von Gebäuden mit vier und sechs Pfosten aus. Sie gehen davon aus, dass darin Lebensmittel und Ernten gelagert wurden.

Ihre größte Aufmerksamkeit zog nach Mitteilung des LWL aber der nur noch einen halben Meter tief erhaltene Befestigungsgraben auf sich, der teils bis auf eine Länge von 85 Metern verfolgt wurde und nach Schätzung der Archäologen einmal bis zu zwei Meter tief war. Eine Engstelle mit zwei Pfostenlöchern legt nahe, dass dort ein Tor gestanden haben könnte. Auf dem Grabungsplan ergeben die Puzzleteile ein zusammenhängendes Bild. Weil die übrigen Siedlungsspuren nur spärlich sind, nehmen die Forscher an, dass der Graben kurze Zeit nach seiner Entstehung wieder zugeschüttet worden ist. Das ließe sich damit erklären, dass an der Lippe die Römer aufzogen und in Oberaden und Beckinghausen ihre Lager errichteten.

 

Mit Material des Westfälischen Anzeiger


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