Die Chronik die zum 50-jährigen Bestehen des Schützenvereins Baaken im Jahre 1987 erschien ist, im Wort und Bild zusammengestellt von Franz Küper, wird hier im Internet nur im Originaltextwortlaut wiedergegeben. Ich denke der Text ohne Bilder gibt die Geschichte von 50 Jahre Baaken in eindrucksvoller Weise wieder.
Grußwort des Vorsitzenden Franz Küper
Hallo
Nachbarn
herzlich willkommen im schönen Baakenland!
Aus Anlaß unseres 50-jähringen Vereinsjubiläums gilt allen
Bewohnern des westlichen Werne ein besonderer Gruß. Unser
herzliches Willkommen begleiten wir mit dem Versuch, Ihnen die
engere Heimat näher zu bringen. wir bemühen uns, auf den
folgenden Seiten etwas über die Entwicklung unserer
Nachbarschaft und das Leben in Ihr zu erzählen.
Wenn Sie persönlich ihre Nachbarschaft anders erleben, so nehmen
Sie unsere Erzählung als Anregung, Ihre eingenen Erlebnisse und
Bilder festzuhalten und dieser Chronik beizufügen. Sie haben
dann ein ganz persönliches Nachschlagewerk, das auch Ihren
Nachkommen Freude bereiten wird.
Wir Baakenschützen freuen uns, daß wir in dieser Nachbarschaft
leben dürfen.Darum bedanken wir uns bei all unseren Freunden und
Gönnern, die bei der Gestaltung und Finazierung dieser Cronik
mitgeholfen haben.
Unser ganz besonderer Dank gilt aber all unseren Mitbürgern, die
uns diese Nachbarschaft erst ermöglichen.
Ihr
Franz Küper
Grußwort des Bürgermeisters Willi Lülf
Der
Schützenverein Baaken kann in diesem Jahr auf sein 50-jähriges
Bestehen zurückblicken. Die aus diesem Anlaß erstellte Chronik
gibt nicht nur 50 Jahre aktive Vereinsarbeit sondern auch die
Entwicklung der Nachbarschaft Baaken in anschaulicher Weise
wieder.
Gerade in einer historisch gewachsenen Stadt wie Werne kommt
sowohl den Nachbarschaften als auch den Schützenvereinen als
wesentliche Träger der Heimatpflege große Bedeutung zu. Es ist
erfreulich, wenn bei einem solchen Jubiläum dieser Zusammenhang
nicht nur gesehen, sondern auch klar erkannt wird. Dafür
gebührt den Verantwortlichen aufrichtiger Dank.
Als Bürgermeister der Stadt Werne, aber auch als Schirmherr des
Jubiläumsschützenfestes, spreche ich allen Beteiligten
herzliche Glückwünsche aus. Ich verbinde diese mit dem Wunsch,
das Schützenverein Baaken und Nachbarschaft Baaken auch in
Zukunft in harmonischem Miteinander zur Gestaltung des
heimatlichen Brauchtums beitragen. Mein besonderer Gruß gilt den
Aktiven mit ihren Familien und allen Gästen, die den zahlreichen
Veranstaltungen im Rahmen des Schüteznfestes beiwohnen.
Dem Jubuläumsschützenfest 1987 wünsche ich einen harmonischen
Verlauf und viele Erfolg.
Willi
Lülf
Bürgermeister
"Baaken"
eine
Flur im westlichen Teil der Stadt Werne, deren Ursprung lange
zurückreicht. Als Thingstätte - Versammlungsstätte - gedeutet
und durch einen Holzpfahl, vielleicht in besondere form, dem
"Baken", gekennzeichnet, In der Feldmark gelegen, wurde
sie lange Jahre als Weidegebiet sowie als fruchtbare
Vorratskammer für die Versorgung der Ackerbürger der Stadt
Werne genützt. Die Besitzverhältnisse wechselten im Laufe der
Jahrhunderte u.a. von den früheren Schlossherren auf Cappenberg
über noch heute in Werne bekannten Namen wie Beerens,
Brückmann, Kirchengemeinde St. Christophorus, Reesmann,
Schwenninger, Weiser usw., um nur einige zu nennen, auf die
jetzigen Besitzer. Bevor wir die weitere Entwicklung des
"Baaken" und der von Ihm ausgehenden Besiedlung unserer
Nachbarschaft beschreiben, wollen wir uns auf unsere Heimatstadt
Werne besinnen.
Werne ..... IN VILLA QUARE DICITUS WERENIA Es war ein langer Weg durch lebendige, stolze wie leidvolle Geschichte bis zum heutigen Werne mit rd. 29800 Einwohnern auf 7575 ha Fläche im Kreis Unna an der Nahtstelle zwischen der münsterländischen Parklandschaft und der Industrieregion des Ruhrgebiets.
Um 800 |
Der Bischof von Münster, Ludger,
baut eine Kapelle in Werne und gründet die erste
Pfarrgemeinde. |
834 |
Werne wird erstmalig in einer Urkunde
erwähnt. |
9.-12. Jh. |
Um die auf dem bischhöflichen
Haupthof gelegene Kirche siedeln sich Gewerbetreibende
an. So entsteht im laufe der Zeit innerhalb der
Bauernschaft Werne das Weichbild Werne. |
1139 |
Kirche und Pfarre von Werne gehören nun dem neugeründeten Kloster Cappenberg. Werne erhält eine steinerne Kirche im romanischen Stil. |
1362 |
Werne erhält durch seinen Landesherren, Bischof Adolf von Münster, die Bestätigung, auf Simon-Juda einen freien Markt abzuhalten. |
1385 |
Werne erhält das Wigboldrecht. (minderes Stadtrecht) |
1446 |
Erste Vereinigung der landesfähigen Städte im Oberstift Münster, daruter auch Werne. |
1512 |
Beginn des Rathausbaues; endgültige Fertigstellung 1561. |
1602 |
Werne erhält das Münzrecht. |
1618 |
Im dreißigjährigen Krieg bis 1648 wird Werne mehrmals besetzt, gebrandschatzt und geplündert. |
1636 |
Die Pest hält große Ernte. Sie fordert bis 1637 von 1000 Einwohnern 313 Tote. |
1659 |
Die Kapuziener ziehen in Werne ein. Klosterbau 1671 - 1673 Kirchbau 1677 - 1681. |
1803 |
Das Oberstift Münster wird aufgelöst. Werne wird preußisch. |
1836 |
Werne bekommt eine Verwaltung nach der revidierten Preußischen Städteordnung von 1831. Gleichzeitig wird aus den Gemeinden Werne-Land, Stockum, Capelle u. Herbern das neue Amt Werne. |
1850 |
Werne zählt 1820 Einwohner. |
189 |
Beginn der Industrialisierung. Gründung der Zeche Werne. |
1900 |
Beginn der Einzelbebauung im Baaken, Lindert, Haferfeld und Bellingheide. |
1911 |
Die Straßenbahn Unna - Kamen - Werne nimmt den Fahrbetrieb auf, Vorarbeiten zum Bau der Eisenbahnlinie Münster - Dortmund beginnen. |
1914 - 1918 |
Im Krieg sind 278 Werner Bürger gefallen. Abbindung des Brinkhofs als Hauptverkehrsweg von der Altstadt zum Werner Westen. Selmer Straße wird ausgebaut. |
1922 |
Auflösung des Amtes Werne. Die Landesgemeinde Werne wird mit der Stadt Werne vereinigt. Stockum wird dem Amt Herbern und Capelle dem Amt Nordkirchen eingeliedert. Rege Bautätigkeit an Selmer- und Schillerstraße. Die ersten Eigenheime für Bergarbeiter werden bezogen. Werne hat rd. 12000 Einwohner. |
1928 |
Eröffung der Eisenbahnlinie Münster - Dortmund. Handwerksbetriebe und Kleingewerbetreibende siedeln sich im Baaken an. |
1938 |
Kohlebohrungen in Langern. Bauernschaft Ehringhausen wird 700 Jahre alt. Die alten Baakenländer feiern ihr erstes Gänseköppen. Die Baakensiedlung wird gebaut. |
1939 |
Der zweite Weltkrieg beginnt. Das Warmquellen-Sole-Freibad wird großzügig erweitert. Erste Baakensiedler stellen ihre Häuser fertig und ziehen ein. |
1945 |
Deutschland kapituliert bediengungslos. 471 Werner Bürger sind gefallen. fast 500 vermißt. 4000 Heimatvertriebene und Flüchtlinge finden in Werne eine neue Heimat. |
1950 |
Werne hat rd.m18000 Einwohner. Gründung des Kirchbauvereins für die neue kath. Pfarre im Werner Westen. |
1951 |
Erster Spatenstich und Grundsteinlegung für ein neues Gotteshaus im Baaken. |
1953 |
1150 Jahre St. Christophorus in Werne. Kirche "Maria Frieden" wird eingeweiht. |
1955 |
Arnsteiner Patres lassen sich in Werne nieder und begründen das erste Gymnasium in Werne. Im Lindert werden die Gebäude zur Aufnahme des Klosters, Gymnasiums und des Internats gebaut. |
1956 |
Verschmelzung der beiden Nachbargemeinschaften "Baaken-Dreieck" und "Baaken-Siedlung" zur Schützengemeinschaft Baaken-Werne. Errichtung der Kolpingsiedlung Ecke Selmer Straße/Ovelgönne. |
1957 |
Erstes gemeinsames Schützenfest im Baaken. |
1960 |
Werne hat rd. 20000 Einwohner. |
1963 |
Schützenverein Baaken feiert sein 25-jähriges Jubiläum. |
1974 |
Eintragung in das Vereinsregister. Neubau des Christophorus-Krankenhauses im Lindert wird eingeweiht. |
1975 |
Schließung der Zeche Werne, die vor Beginn der Kohlekrise 4000 Arbeitsplätze, zuletzt 2000 Arbeitsplätze hatte. |
1975 |
Komunale Neugliederung, Stockum wird Werne eingegliedert. Werne wird dem Kreis Unna und dem Regierungsbezirk Arnsberg zugeordnet. Einwohnerzahl erhöht sich um rd. 4000 Stockummer Neubürger auf 25500. |
1977 |
Schützenverein Baaken Werne wird 40 Jahre alt. Vogelschießanlage im Stadtwald wird eingeweiht. |
1985 |
Werne hat 29551 Einwohner, davon wohnen 1195 in unserer Nachbarschaft. |
1986 |
Nach intensiven Bemühungen der Sportfreunde '67 wird der neue Hartplatz Lindert eingeweiht. Die Baakenschützen warten weiter auf ein geeignetes Festgelände . Gemeinschaftsplatz für alle Vereine im Werner Westen. |
1987 |
Die Baakenschützen nehmen an dem ersten Hobby-Fußballer durchgeführten Hallenturnier der Sportfreunde '67 teil. |
1987 |
625 Jahre Simon-Jud-Markt in Werne |
1987 |
Der Schützenverein Baaken Werne e.V. veranstaltet sein 50-jähriges Bestehen. |
Als
lebendiges Gemeinwesen wächst Werne weiter. Rat und Verwaltung
sind ständig bemüht, Werne zum Wohle seiner Bürger
weiterzuentwickeln.
Auch in den Außenbereichen wächst die Stadt und verändert ihr
Gesicht.
Uns interessiert hier besonders das Wachsen und Gedeihen unserer
Nachbarschaft.
Ein Wahrzeichen des "Baaken" und ganz sicher das
älteste Bauwerk ist Bergmann's Mühle auf dem Windmühlenberg.
Darum haben nicht von ungefähr die Baakenschützen die
Windmühle zu ihrem Vereins-Wappen erhoben.
1709 ist die stolze Jahreszahl, die auf die Errichtung des
jetzigen Mühlenturmes hinweist, der seit fast 300 Jahren allen
Stürmen der Zeit trotzt.
Die Geschichte der Mühle geht noch weiter zurück.
Schon 1630 wurde im Baaken eine Mühle errichtet, die jedoch
nicht lange bestehen bleiben sollte.
Die Herren von Cappenberg, die bereits seit 1122 im Besitz der
Gedembergmühle an der Lippe waren und die in Werne die alleinige
Mahlgerechtigkeit besaßen, pochten auf ihre alten Rechte und
machten der Stadt die Mahlgerechtigkeit streitig. Es kam sogar
soweit, daß bei Nacht und Nebel bewaffnete Mannschaften von
Cappenberg herübergeschickt wurden, die die Mühle weitgehend
zerstörten.
Langwierige Verhandlungen beim Reichskammergericht führten dazu,
daß die Mühle 1697 an das Kloster Cappenberg verkauft wurde.
Nach mehrfachem Besitzerwechsel gelangte sie dann in neuerer zeit
in den Besitz der Familie Bergmann, der sie heute noch gehört.
Waren die Baaken in seiner Geschichte immer ländlich geprägt,
so änderte sich sein Gesicht mit der Gründung der Zeche Werne
im Jahre 1899 und dem Beginn der Industrialisierung um die
Jahrhundertwende. Der Baaken wurde immer mehr als Siedlungsraum
entdeckt und vornehmlich für bodenständige Bergarbeiter
erschlossen.
Die Errichtung der Eisenbahnlinie Münster - Dortmund war
ebenfalls für den Baaken von einschneidender Bedeutung.
Führte die Erschließung unseres Lebensraumes ursprünglich
über die Burgstraße, dem Brinkhof, an der Windmühle vorbei zur
Selmer Landstraße, so wurde diese Verbindung jäh abgeschnitten.
Selmer Straße und Ovelgönne erhielten durch ihre
Bahnunterführungen eine größere Bedeutung, wobei die
Ovelgönne im Zuge der Verkehrserschließung des Gewerbegebietes
Wahrbrink als Stadtumgehung ausgebaut ist.
Bergbau und Verkehrserschließung durch die Eisenbahnlinie waren
in den 20er Jahren bedeutsame Entwicklungen für unsere Stadt,
aber auch für unsere Nachbarschaft.
Die Besiedlung des westlichen Werne zwischen dem Stadtkern und
der Bauernschaften Varnhövel-Ehringhausen, zunächst in den
Bereichen Baaken - Lindert - Haferfeld - Bellingheide nur
zögernd begonnen, wurde immer intensiver.
Siedlungsgesellschaften entdeckten ihre besondere Liebe zu
unserer Stadt und boten in unserer Nachbarschaft den
bodenständigen Bergarbeitern, aber auch den Kriegsbeschädigten,
den kinderreichen und jungen Familien Wohnraum zum Eigenerwerb
an. Die erste geschlossene Bebauung in unserem Raum finden wir im
Dreieck von Selmer- u. Schillerstraße. Zu den ersten
Interessenten gehören Franz Günnewig, Schillerstraße 3 und
Gustav Anlauf, Selmer Straße 77.