Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)

Kostbares Messgewand

13.11.2020

Kostbares Messgewand

Vor 25 Jahren wurde die Kasel in St. Christophorus entdeckt

Als 1995 anlässlich der Renovierungsarbeiten in der Pfarrkirche St. Christophorus archäologische Grabungen vorgenommen wurden, entdeckten Experten auch das Grab eines Priesters. Es liegt direkt über einem Mauerrest der abgebrochenen romanischen Ostapsis der Kirche und kann deshalb nicht vor der Vollendung des heutigen Chorraums um 1508 entstanden sein. Neben dem Körper des Bestatteten befanden sich Reste von Textilien, braun und unscheinbar. Erste Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um Reste des priesterlichen Grabgewandes handelt, und dieses annähernd 200 Jahre älter ist als die Bestattung selbst. Es ist damit eines der ältesten erhaltenen Messgewänder Westfalens. Besonderes Interesse erweckte das Grab auch durch seine hervorgehobene Lage innerhalb der Kirche, in direkter Nähe zum Altarraum. Sie lässt darauf schließen, dass dem Bestatteten eine besondere Bedeutung im Leben der Kirchengemeinde zukam, möglicherweise als herausragender Stifter im Rahmen der damals gerade abgeschlossenen Erweiterung des Kirchenbaus. 

So ungewöhnlich ein solcher Textilfund an sich schon ist, so überraschend stellten sich die Ergebnisse der anschließenden
mühsamen Restaurierung und der wissenschaftlichen Untersuchungen dar. Es konnte ein Gewand rekonstruiert werden, das aus kostbarsten Geweben seiner Zeit angefertigt wurde. Einer Zeit, in der Seide als rares Gut gegen Gold aufgewogen wurde und in der kein technischer und zeitlicher Aufwand zu groß war, die Schönheit des Materials zur Geltung zu bringen.
Das Messgewand besteht aus insgesamt vier Geweben. Aus zwei Seidengeweben, von denen sich eines durch sein Streifenmuster aus dem bekannten Bestand hervorhebt sowie aus zwei sogenannten „Kölner Borten“.

Eine davon ist nur zwei Zentimeter breit und bislang weitgehend ohne Vergleich. Die äußerst kompliziert und fein gestalteten Seidengewebe aus dem 13. und 14. Jahrhundert stehen ganz am Anfang der künstlerisch und technisch hoch entwickelten Seidenweberei in Europa, wie es sie in den vorausgegangenen Jahrhunderten nur in Asien und im östlichen Mittelmeerraum gegeben hatte. Mit ihren Motiven (Lotuspalmetten und Pinienzapfen, Paare von Tier- und Fabelwesen) verweisen die Stoffe auf asiatische und byzantinische Vorbilder. 

Der Textilfund aus Werne stieß bei seiner Präsentation anlässlich der archäologischen Landesausstellung „Fundort Nordrhein Westfalen“ auf großes Interesse. Die Ausstellung wurde im Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln, im Westfälischen Museum für Archäologie in Münster und im Museum Het Valkhof in Nijmegen gezeigt und in einem begleitenden Katalog publiziert. Mit Unterstützung der Pfarrgemeinde St. Christophorus richtete die Stadt Werne einen Raum in den Wärmehäuschen am Kirchhof ein, der durch den Erweiterungsbau des Stadtmuseums nutzbar wurde. Dort wird das kostbare, hochempfindliche textliche Kunstwerk seither ausgestellt. Museumsleiterin Dr. Constanze Döhrer sieht in dem Jahrhundertfund nicht weniger als „den Star unserer Sammlung“. 

Foto: LWL/Stefan Brentführer (entstanden für den Band „100 Jahre/100 Funde“ zum Jubiläum der amtlichen Bodendenkmalpflege in Westfalen) 

Alle Informationen zum Stadtwappen

Anschrift

Stadt Werne
Konrad-Adenauer-Platz 1
59368 Werne

Kontakt

Telefon: 02389 71-1
Telefax: 02389 71-323
vrwltngwrnd

Social Media

 

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Schriftarten, Karten, Videos oder Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Datenschutzinformationen