25. Februar 2026
Warum polarisiert das Thema Flächen so?

Um diese Frage zu beantworten, laden wir Sie im heutigen Teil unserer Themenreihe dazu ein, die Perspektive zu wechseln.
Und wie geht die Planung mit diesem Thema weiter?
2021 war für die wirtschaftlichen Entwicklung Wernes eine Zäsur. Damals führte ein Bürgerentscheid dazu, dass ein geplanter Regionaler Kooperationsstandort mit. ca. 30 ha neuer Gewerbefläche nicht entwickelt wurde. Damals hat sich sehr deutlich gezeigt, dass die Veränderung von Flächennutzungen immer ein großes Spannungsfeld bietet und dies nicht nur bei direkt betroffenen Bürgern. Aber warum polarisiert das Thema Flächen eigentlich so?
Um diese Frage zu beantworten, laden wir Sie im heutigen Teil unserer Themenreihe dazu ein, die Perspektive zu wechseln. Stellen wir uns drei fiktive Werner BürgerInnen vor:

Karolin ist Chefin eines Unternehmens, das schon lange in Werne tätig ist.
Um Platz für neue Jobs zu schaffen und ihr Unternehmen für die Zukunft zu rüsten, möchte sie ihren Standort in Werne erweitern.
Die Flächen auf ihrem Unternehmensgelände sind aber schon komplett ausgeschöpft. Neue Flächen kann ihr die Wirtschaftsförderung der Stadt Werne nicht mehr anbieten.
Deshalb sagt sie: „Werne braucht mehr Gewerbeflächen!“
Markus wohnt im Außenbereich, ist viel in der Natur unterwegs und steht neuen Gewerbeflächen eher kritisch gegenüber.
Er beobachtet mit Sorge, dass in Deutschland immer mehr Flächen versiegelt werden. Denn Flächen zu verlieren, bedeutet auch den Verlust von Ackerflächen, den Verlust von Naturräumen und nicht zuletzt den Verlust von Naherholungsgebieten.
Er findet deshalb: „ Wir müssen unsere Freiflächen schützen! “
Jonas ist in einer etwas anderen Situation als Karolin und Markus.
Er und seine Frau sind gerade zum 2. Mal Eltern geworden. Sie wohnen und arbeiten in Werne, doch ihre aktuelle Wohnung ist für den Familienalltag zu klein geworden. Sie wollen sich dringend vergrößern, konnten aber noch keine passende Wohnung in Werne finden.
Die Konkurrenz um freie Bauplätze und Wohnungen ist enorm.
Er findet deshalb: „Werne braucht mehr Wohnbauflächen!“

Was die Diskussion um das Thema Fläche so verzwickt macht: Karolin, Markus und Jonas haben alle auf ihre Weise Recht. Denn egal, ob Wohnraum, Gewerbegebiete, Freiraum oder Landwirtschaft:
Alle Nutzungen sind wichtig. Aber alle beanspruchen auch denselben, endlichen Boden.
Die Interessen der Menschen sind dabei keineswegs eindimensional.
So wünschen sich Unternehmerinnen wie Karolin in Werne nicht nur Gewerbeflächen, sondern auch Wohnraum: Fachkräfte lassen sich schließlich nachhaltiger gewinnen, wenn sie auch hier wohnen können.
Familien wie die von Jonas erwarten zudem, dass ihre Stadt mit Blick auf zukünftige Generationen schonend mit der Natur umgeht.
Und Naturfreunde wie Markus schätzen zugleich die kurzen Wege mit dem Rad, wenn sie wohnortnah arbeiten können.
Ein komplexes Spannungsfeld.
Es gibt keine einfache Lösung, um alle Bedürfnisse gleichzeitig und vollständig abzubilden. Planung bedeutet daher in erster Linie: Abwägen
und genau dies passiert in verschiedensten Prozessen auf den unterschiedlichsten Planungsebenen. Übergeordnete Behörden wie der Regionalverband Ruhr (RVR) wägen bei ihrer Planung genau diese ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Belange gegeneinander ab.
Das Ergebnis: Der Regionalplan Ruhr, der uns für 20 Jahre einen rechtlichen Rahmen gibt, wo welche Nutzungen entstehen dürfen (mehr dazu erfahren Sie hier unter www.rvr.ruhr).

Der Regionalplan regelt wie viel Fläche für welche Nutzung zur Verfügung stehen darf. Das Ziel dabei ist ein möglichst ausgeglichenes und gesundes Verhältnis aller Lebensbereiche, die um Flächen konkurrieren.
Aktuell sehen Unternehmen ein klares Ungleichgewicht bei den Gewerbeflächen. Das zeigt zumindest die Unternehmensbefragung der Wirtschaftsförderung aus 2025. Insgesamt wurden über 50 Hektar Gewerbeflächenbedarf und gut 65.000 m² zusätzliche Gewerbeimmobilien angegeben. dem gegenüber stehen aktuell ~ 1,6 Hektar direkt verfügbare Gewerbeflächen. Auf den Punkt gebracht:
Unternehmen möchten am Standort Werne erweitern, können aber nicht, weil Flächen fehlen.
Aktuell sehen Unternehmen ein klares Ungleichgewicht bei den Gewerbeflächen. Das zeigt zumindest die Unternehmensbefragung der Wirtschaftsförderung aus 2025. Insgesamt wurden über 50 Hektar Gewerbeflächenbedarf und gut 65.000 m² zusätzliche Gewerbeimmobilien angegeben. dem gegenüber stehen aktuell ~ 1,6 Hektar direkt verfügbare Gewerbeflächen. Auf den Punkt gebracht:
Unternehmen möchten am Standort Werne erweitern, können aber nicht, weil Flächen fehlen.
Für Werne gibt es laut Regionalplan tatsächlich eine aktuelle Unterdeckung von 18,9 Hektar bei den Gewerbeflächen. Es könnten also neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden. Dabei dürfen wir nur so viel entwickeln, wie der RVR steuernd vorgibt.
Von den 50 Hektar angemeldetem Erweiterungsbedarf sind wir damit zwar ziemlich weit weg. Dennoch haben 18,9 Hektar ein großes Potenzial wenn man sie klug nutzt.
Wenn man dieses Potenzial vollständig ausschöpfen möchte, wird man sich zukünftig viel intensiver damit auseinandersetzen müssen, wen wir in Werne ansiedeln wollen und wer die Chance bekommt seinen bestehenden Betrieb zu erweitern.
Wo entstehen vielleicht durch Neuansiedlungen Synergien mit bestehenden Nutzungen. Wie sind eigentlich die Gewerbeflächen von morgen zu gestalten, damit sie möglichst flexibel nachgenutzt und verdichtet werden können und wie erreichen wir für Werne mit oder auch trotz neuer Flächen eine gute wirtschaftliche, soziale und ökologische Balance.
Dafür ist es wichtig, die Perspektive zu wechseln und zu verstehen, welche Sorgen, Nöte und auch Ängste vorhanden sind, um die bestmöglichen Lösungen und Kompromisse für Werne zu finden.