01. Oktober 2026
5. Wirtschaftskolumne - Sonnenkraft auf den Dächern

Spitzenreiter im RVR-Gebiet: Werne schöpft sein Potenzial aus
Ein Blick auf die nackten Zahlen des RVR-Solarmonitorings 2025 zeigt ein erstaunliches Bild. Werne belegt beim Solarausbau eine Spitzenposition in der Metropole Ruhr. Dieser Erfolg beruht jedoch nicht allein auf privaten Initiativen. Eine ökonomische Detailauswertung macht deutlich, dass gerade die gewerblichen Großflächen die lokale Energiewende tragen. Während die Betriebe vor Ort massiv in eigene Erzeugungskapazitäten investieren, verlagert sich die zentrale Herausforderung für den Standort nun auf die bestehende Netzinfrastruktur.
Beim Ausbaustand des potenziell nutzbaren städtischen Potenzials belegt Werne im Gebiet des Regionalverbands Ruhr (RVR) den ersten Platz. Dies gilt sowohl für die installierte Leistung mit 19,37 % als auch für die Gesamtzahl der Anlagen mit 20,47 %. Die jüngste RVR-Analyse belegt diese Werte eindeutig. Die Stadt nutzt die vorhandenen Dachflächen im kommunalen Vergleich damit außergewöhnlich konsequent.

Die visuelle Auswertung von Luftbildern aus den Jahren 2021 und 2025 dokumentiert diesen strukturellen Wandel eindrucksvoll. Auf den gewerblichen Dachflächen im Stadtgebiet zeigt sich innerhalb dieser vier Jahre eine flächendeckende Verdichtung mit Photovoltaik-Modulen. Die Aufnahmen belegen objektiv, wie dynamisch der Ausbau in den Werner Gewerbegebieten verlaufen ist und welchen zentralen Anteil die Unternehmen am regionalen Spitzenplatz der Stadt haben.
Die Macht der großen Flächen: Gewerbedächer als Schwergewichte
Auch wenn im Monitoring nicht in jedem Detail zwischen Privathaushalten und Gewerbedächern getrennt wird, sticht eine Kennzahl der RVR-Analyse für den gesamten Dach-PV-Bestand hervor. Lediglich 6 % aller installierten Anlagen befinden sich auf Gewerbe- und Industriedächern. Genau diese 6 % stellen jedoch 35 % der gesamten installierten Leistung im RVR-Gebiet dar. Bei den Neuanlagen wird diese Relation noch deutlicher. Gewerbe und Industrie stellten im Ausbaujahr zwar nur 4 % der Anlagen, steuerten jedoch exakt die Hälfte der neu installierten Leistung bei.
Gewerbliche Dächer erweisen sich damit als der entscheidende Hebel für den Ausbau erneuerbarer Energien. Eine einzige industrielle Großanlage generiert oft die gleiche Leistung wie Dutzende private Eigenheime.
Für die Unternehmen in Werne ist die Montage von Solarmodulen eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Einerseits sichert der Eigenverbrauch von Solarstrom das Risiko gegen Preisschwankungen am Energiemarkt ab. Andererseits verlangen auch globale Lieferketten und Kunden zunehmend nachweisbare Nachhaltigkeitsstandards.

Der bundesweite Boom: Solarstrom bricht Rekorde
Die Dynamik vor Ort fügt sich nahtlos in die überregionale Entwicklung ein. Der Solarstrom verzeichnet bundesweit historische Höchstwerte. Erst jüngst berichtete die taz unter Berufung auf Daten des Fraunhofer-Instituts über einen neuen Rekord. Im Juli 2026 produzierten die deutschen Photovoltaikanlagen mit 12 Terawattstunden so viel Strom wie noch nie innerhalb eines einzelnen Monats. Gemeinsam mit der Windenergie deckten die Erneuerbaren im selben Zeitraum über 70 Prozent des deutschen Strombedarfs ab. Die Photovoltaiktechnologie hat sich von der Nische zum tragenden Pfeiler der Energieversorgung entwickelt.
Infrastruktur anpassen: Netzkapazitäten als begrenzender Faktor
Die Investitionsbereitschaft der Betriebe stößt zunehmend an technische Grenzen. Der kontinuierliche Zubau von Solaranlagen sowie die zunehmende Stromversorgung bspw. durch die wachsende Zahl an Elektrofahrzeugen, erfordert eine schrittweise Anpassung der lokalen Stromnetze. Insbesondere in den nördlichen Stadtgebieten von Werne sind die vorhandenen Kapazitäten der Verteilnetze größtenteils vollständig ausgelastet.
Der Bau des neuen Umspannwerkes in Werne stellt daher eine notwendige Infrastrukturmaßnahme für den Wirtschaftsstandort dar. Die Fertigstellung der Anlage bildet die technische Grundlage, um künftige Projekte der lokalen Wirtschaft an das Netz anzuschließen und die Erzeugungskapazitäten vor Ort planmäßig weiter auszubauen. Gleiches gilt für den privaten Bereich.
Fazit: Die Wirtschaft liefert – die Infrastruktur muss nachziehen
Werne belegt im RVR-Monitoring eindrucksvoll, wie viel Dynamik durch vorausschauende Investitionen der Bürgerschaft und der heimischen Wirtschaft entsteht. Unsere Betriebe haben „ihre Hausaufgaben gemacht“ und nutzen ihre Dachflächen konsequent. Damit dieser wirtschaftliche und ökologische Transformationsprozess nicht ins Stocken gerät, muss die Infrastruktur nun schritthalten. Die hohe Geschwindigkeit der Energiewende führt mittlerweile in vielen Kommunen zu spürbaren Engpässen im Ortsnetz. Werne gehörte zu den ersten Städten, die diese Erfahrung machen mussten. Der zügige Abschluss der Arbeiten am neuen Umspannwerk entscheidet darüber, ob wir unsere regionale Führungsposition beim Ausbau der Erneuerbaren auch in den kommenden Jahren behaupten können. Perspektivisch liegt genau hier eine Chance für den Standort. Wenn die derzeitigen Engpässe durch den Netzausbau behoben sind, wird aus dem heutigen Nadelöhr ein handfester Standortvorteil für die Zukunft Wernes.
Quellen: RVR Solarmonitoring 2025