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28. Januar 2026

4. Wirtschaftskolumne – Wenn der Platz knapp wird

verkaufte Gewerbefläche, KI-generiert

"Werne braucht eine Entscheidung bei Gewerbeflächen" - Dies ist der Appell des Wirtschaftsförderers Matthias Stiller.

Warum Werne jetzt über Gewerbeflächen entscheiden muss

Die Zahlen der Unternehmensbefragung 2025 sind eindeutig: 

Mehr als die Hälfte der an der Befragung beteiligten Betriebe in Werne plant in den kommenden fünf Jahren eine Erweiterung. 19 Unternehmen brauchen dafür neue Gewerbegrundstücke, weitere Betriebe zusätzliche Hallen- oder Büroflächen. 

Insgesamt wurden über 50 Hektar Gewerbeflächenbedarf und gut 65.000 m² zusätzliche Gewerbeimmobilien angegeben.

Dem gegenüber stehen aktuell rund 1,6 Hektar direkt verfügbare Gewerbeflächen in Werne, die sich auf öffentliche und private Eigentümer verteilen. Diese Zahlen berücksichtigen nur die Erweiterungswünsche unserer bestehenden Betriebe, nicht die zusätzlichen Anfragen von außen.

Wir haben damit ein klassisches Nadelöhr! Die Wirtschaft will wachsen – aber der Raum dafür geht zur Neige.

Wachstum vor Ort – aber wohin?

Bemerkenswert ist, dass der Wunsch nach neuen Gewerbeflächen vor allem aus der heimischen Wirtschaft selbst kommt. Viele Unternehmen wollen investieren, Prozesse bündeln, Lagerflächen ausbauen, Produktion modernisieren oder Verwaltungsbereiche zusammenführen. Daher machen Lager/Logistik, Büro- und Parkplatzflächen zusammen deutlich über 70 % der gemeldeten Bedarfe aus.

Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn unsere Betriebe glauben an den Standort Werne. Sie wollen vor Ort bleiben und hier wachsen. In einer meiner früheren Kolumnen habe ich beschrieben, dass Werne im Dynamik-Ranking NRW zu den 50 dynamischsten Kommunen des Landes gehört. Ein Standort, der sich leise, aber stetig nach vorne arbeitet.

Aber Dynamik braucht Platz. Wenn der betriebliche Wachstumspfad an der Grundstücksgrenze endet, wird aus Chancen schnell Frust. Und irgendwann stellt sich die Frage: „Wenn ich hier nicht weiterkomme – mache ich es dann an einem anderen Ort?“

Gewerbeflächen als Schwachstelle des Standorts

Die Unternehmensbefragung zeigt sehr klar, dass die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und -immobilien einer der am schlechtesten bewerteten Standortfaktoren in Werne ist. Mit einem Durchschnittswert von 3,6 (Skala 1 = sehr gut bis 5 = sehr schlecht) liegt sie deutlich hinter klassischen Stärken wie Verkehrsanbindung und Lebensqualität. 87 % der Unternehmen stufen das Flächenangebot als höchstens „mittelmäßig“ ein.

Gleichzeitig wird dieser Faktor von den Betrieben als sehr wichtig eingestuft. Er landet im „roten Quadranten“ der Standortanalyse, also dort, wo hohe Bedeutung auf schlechte Bewertung trifft. Genau diese Kombination macht Flächenverfügbarkeit zu einem echten Standortrisiko.

Die KfW Bank spricht in einer ihrer Studien von einer deutschen Wirtschaft „im Gegenwind“ und betont, wie entscheidend Investitionen und verlässliche Rahmenbedingungen vor Ort sind. Doch all das nutzt wenig, wenn es schlicht keinen Ort gibt, an dem diese Investitionen in Werne stattfinden können.

Der Regionalplan als Rahmen – nicht als Ausrede

Der neue Regionalplan des RVR weist für Werne noch 19 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen aus, die wir perspektivisch entwickeln könnten. Das ist auf den ersten Blick nicht wenig, aber eben auch kein unendlicher Vorrat.

Rechnet man die gemeldeten Bedarfe der lokalen Unternehmen hoch, wird schnell klar, dass selbst wenn nicht alle Projekte eins zu eins realisiert werden, werden diese Reserven irgendwann knapp. Zumal der Regionalplan nicht nur eine Flächenzahl ausweist, sondern auch Anforderungen an Umwelt, Verkehr, Immissionsschutz und Kompensation mit sich bringt.

Bei der Entscheidung zu neuen Flächen wird es die Kunst sein, diese 19 Hektar klug zu nutzen. Wir müssen uns mit neuen Fragen auseinandersetzen:

  • Welche Branchen brauchen welchen Zuschnitt?
  • Wen wollen wir in Werne ansiedeln und wer bekommt die Chance sich zu erweitern?
  • Wo entstehen Synergien, etwa zwischen Produktion, Logistik und Dienstleistung?
  • Wie lassen sich Flächen so planen, dass sie später flexibel nachgenutzt oder verdichtet werden können?

Der Regionalplan ist der Rahmen. Ob er zu einem erfolgreichen oder zu einem zu engen Rahmen wird, entscheidet sich in den nächsten Jahren in Werne.

Der unterschätzte Faktor Zeit

Die Zeit ist bei der Planung neuer Gewerbeflächen häufig ein unterschätzter Faktor. Denn neue Gewerbeflächen entstehen nicht per Mausklick. Zwischen der ersten Idee und der ersten Maschine in der Halle liegen schnell vier bis sieben Jahre und manchmal sogar mehr:

  • Grundstücksankauf: Verhandlungen, Wertermittlung, Vertragsgestaltung.
  • Bauleitplanung: Flächennutzungsplan, Bebauungsplan, Beteiligung von Öffentlichkeit und Trägern öffentlicher Belange.
  • Erschließung: Straßen, Ver- und Entsorgung, Glasfaser, ggf. Lärmschutz, Regenrückhaltung.
  • Genehmigungen: vom Artenschutzgutachten bis zur Baugenehmigung.

Wir reden häufig über den „Paragrafendschungel“ in Deutschland, der Innovation und Investitionen in Deutschland ausbremst. Genau in diesem Dickicht bewegen wir uns auch bei der Flächenentwicklung. Selbst wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kostet der Weg Zeit.

Wenn wir also wissen, dass unsere Unternehmen heute Erweiterungen planen, dürfen wir mit der Flächenentwicklung nicht mehr warten. Sonst steht der Bagger des Unternehmens längst in einer anderen Stadt, während wir noch Bebauungspläne auslegen.

Zwischen Flächenschutz und Zukunftssicherung

Natürlich ist jede neue Gewerbefläche ein Eingriff in Landschaft, Natur und oft auch in gewachsene Gewohnheiten. Flächensparen, Klimaschutz und Landwirtschaft sind gewichtige Argumente, die ernst genommen werden müssen.

Aber auch Arbeitsplätze, Wertschöpfung und kommunale Einnahmen sind Teil der Nachhaltigkeitsrechnung. Ohne Gewerbesteuer, ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und ohne Investitionen wird es schwer, Schulen zu sanieren, Kitas zu finanzieren oder die Energiewende vor Ort umzusetzen.

Die Diskussion darf daher nicht in das einfache Schema „Flächenentwicklung = böse“ und „Flächenschutz = gut“ abrutschen. Es geht um kluge Flächennutzung:

  • Nachverdichtung und Modernisierung bestehender Gewerbegebiete,
  • Umnutzung brachliegender Flächen,
  • kompakte, gut angebundene neue Areale statt zersplitterter „Gewerbeinseln“.

Und es geht um Transparenz! Die Bürgerinnen und Bürger müssen nachvollziehen können, warum wir welche Fläche entwickeln und welche Alternativen geprüft wurden.

Was jetzt zu tun ist

Aus meiner Sicht ergeben sich aus der Befragung und den Rahmenbedingungen drei klare Arbeitsaufträge:

  1. Aktives Gewerbeflächenmanagement ausbauen
    Wir müssen vorhandene Reserven systematisch erfassen und insbesondere frühzeitig mit Eigentümer ins Gespräch kommen. Denn wir reden über private Flächen, auf die die Stadt keinen Zugriff hat. Nachverdichtung oder Umnutzung funktioniert nur kooperativ. Die Unternehmensbefragung zeigt aber auch, dass Gewerbeflächenmanagement als eine der wichtigsten Aufgabe der Wirtschaftsförderung gesehen wird.
  2. Planerisch vor die Welle kommen
    Politik und Verwaltung sollten jetzt die Weichen stellen. Mit vorbereitenden Untersuchungen geht es darum Flächen zu konkretisieren und Planungsprozesse zu bündeln, wo es möglich ist. Jeder früh verlorene Monat fehlt uns später, wenn ein Unternehmen kurzfristig entscheiden muss.

Transparenz für Bürger/-innen schaffen
Bevor wir konkret über Flächen streiten, sollten die Bürger/-innen die Möglichkeit bekommen frühzeitig Prozesse mitzugestalten. Dabei geht es um Verständnis von unterschiedlichen Belangen bis hin zu konkreten Vorschlägen wie zukünftige Gewerbeflächenentwicklung aussehen könnte.

Fazit: Jetzt entscheiden wir über die Spielräume von morgen

Werne ist kein Standort in der Rezession. Im Gegenteil, denn unsere Unternehmen wollen investieren, erweitern und neue Arbeitsplätze schaffen. Die Unternehmensbefragung 2025 ist dafür ein deutlicher Beleg.

Die Frage ist daher nicht, ob es diese Entwicklung gibt, sondern ob sie hier stattfindet. Mit nur 1,6 Hektar verbliebener Gewerbefläche und einem begrenzten Regionalplan-Korridor entscheidet sich in den kommenden Jahren, ob wir unseren Unternehmen ausreichend Luft zum Atmen geben oder ob wir ihnen signalisieren, dass sie ihren Platz besser anderswo suchen.

Als Wirtschaftsförderung verstehen wir uns in diesem Prozess als Möglichmacher. Wir bündeln Bedarfe, liefern Daten, moderieren zwischen Unternehmen, Verwaltung und Politik und bringen externe Expertise ein. Aber die grundsätzliche Richtung wird in den politischen Gremien und in der öffentlichen Debatte gesetzt.

Mein Wunsch ist klar! Lassen Sie uns die Diskussion über neue Gewerbeflächen nicht nur aus der Perspektive der zusätzlichen Quadratmeter führen, sondern als Debatte über Zukunftschancen. Wer heute Flächen klug entwickelt, sichert morgen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Handlungsspielräume und dass für eine Stadt, die sich weiterhin leise, aber konsequent nach vorne entwickelt.