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erinnerungen an ANTONIE JÜNGST

Zum 100. Todestag von Antonie Jüngst (8. Juni 2018) widmeten sich das Stadtmuseum und Werne Marketing in einem Online-Projekt dem Leben und Werk der Schriftstellerin, die als Ehrenbürgerin in die Geschichte der Stadt Werne eingegangen ist. Auf dieser Seite leben die Erinnerungen an Antonie Jüngst wieder auf.


antonie jüngst: EINE DICHTERIN AUS WERNE

Antonie Jüngst

Als elftes von zwölf Kindern wurde Antonie Jüngst am 13. Juni 1843, dem Namenstag des Heiligen Antonius, in Werne geboren. Nach dem Tod ihrer Eltern wuchs sie bei einer Pflegefamilie in Rheine auf. Später lebte Jüngst in Münster.

Christoph Bernhard Schlüter, Mentor von Annette von Droste-Hülshoff, förderte ihr literarisches Schaffen. Jüngst entwickelte sich zu einer bekannten Schriftstellerin und Heimatdichterin. Anregungen erhielt sie auf vielen Reisen im In- und Ausland. Darüber hinaus engagierte sie sich in der katholischen Fürsorge und war unter anderem 1892 Mitbegründerin des Vereins „Kinderfreunde“ in Münster, für dessen Ziele sie sich unermüdlich einsetzte. Antonie Jüngst stellte ihr Leben in den Dienst der Nächstenliebe.

1899 überreichte sie Papst Leo XIII. in einer Privataudienz eines ihrer Werke. Den Aufzeichnungen nach legte der Heilige Vater ihr seine Hand aufs Haupt und sprach dabei die Worte: „Fahren Sie fort zu schreiben, fahren Sie fort zu schreiben“. Als Zeichen seiner väterlichen Huld verlieh er ihr das „Goldene Kreuz pro ecclesia et pontifice erster Klasse“.

Obwohl sie Werne früh verlassen hatte, hielt sie den Kontakt zu der Stadt, in der sie geboren worden war. Als einzige Frau in der Geschichte erhielt sie im Mai 1900 die Ehrenbürgerschaft: „Magistrat und Stadtverordnetenkollegium haben einstimmig den Beschluss gefasst, die von hier gebürtige Schriftstellerin Fräulein Antonie Jüngst in Münster zur Ehrenbürgerin der Stadt Werne zu ernennen.“

Jüngststraße

Ende 1917 erlitt sie einen Schlaganfall, einen weiteren überlebte sie nicht. Am 8. Juni 1918 starb Antonie Jüngst kurz vor ihrem 75. Geburtstag in Münster und wurde auf dem Zentralfriedhof nahe des Aasees beigesetzt.

Bald darauf wurde in Werne die Jüngststraße nach ihr benannt. 1958, an ihrem 40. Todestag, enthüllte der damalige Landrat und ehemalige Werner Bürgermeister Theodor Wenning eine Gedenktafel an ihrem Geburtshaus auf der Steinstraße. „Mögen die Dichterin und ihr Leben Vorbild und Ansporn sein für Wernes Bürger, zu werden wie sie“, sagte er damals. Heute erinnern außerdem ein von Willi Repke gemaltes Porträt im Sitzungssaal des Alten Rathauses und eine Vitrine im Stadtmuseum an Antonie Jüngst.


„Ich bin geboren in werne, einem westfälischen landstädtchen ...“

Nur wenige Angaben zu Antonie Jüngsts Wirken sind der Nachwelt erhalten geblieben. Ein von ihr am 12. Mai 1883 verfasster Brief an einen „Herrn Konrektor“ enthält jedoch biografische Details, die zugleich vermitteln, wie bescheiden sie etwa mit ihrem eigenen Schreiben umgegangen ist.

Antonie Jüngsts Brief vom 12. Mai 1883 in voller Länge

Antonie Jüngst

Geehrter Herr Konrektor,

Ihr letzthin empfangenes Zirkular ist mir sehr erfreulich gewesen, da es mir ein Zeichen war, dass mein Erstlingswerk auch in weiteren Kreisen Beachtung gefunden hat. Was nun die gewünschten Daten angeht, so bin ich gern bereit, Ihnen möglichst genaue Mitteilungen zu machen; nur ist von dem Leben einer Frau wenig zu sagen, da ich so glücklich bin, in stiller Häuslichkeit, fern von dem Getriebe der Öffentlichkeit, zu leben.

Ich bin geboren in Werne, einem westfälischen Landstädtchen, am 13. Juni 1843, getauft am 27. Juni nach dem katholischen Glaubensbekenntnis meiner Mutter; mein Vater war reformiert. Derselbe stammte aus Nassau und bekleidete zur Zeit den Posten eines Steuerempfängers. Nach dem Tode meiner Eltern kam ich – das vorjüngste Kind von vielen Kindern – schon 1848 nach Rheine, wo ich in dem Hause des Justizrates Crone die liebevollste Aufnahme fand. Selbst kinderlos, schenkten meine Pflegeeltern der kleinen Waise ihr ganzes Herz und ließen mir die sorgfältigste Erziehung angedeihen. Schon als Kind versuchte ich mich in Reimereien, meine Pflegemutter war aber immer in kluger Vorsicht bemüht, dergleichen Ergüsse zu hemmen und überhaupt meiner Fantasie Zügel anzulegen. Heimlich hat sie jedoch manches Verschen einer genauen Durchsicht unterzogen, auch wohl sorgfältig aufgehoben.

Zur Vollendung meiner Ausbildung sandten meine Pflegeeltern mich 1860 in das Ursulinenkloster St. Leonhard in Aachen, wo ich ungefähr anderthalb Jahre blieb. Unterdes waren meine Pflegeeltern nach Münster übergesiedelt. Hier fand ich bald nach meiner Rückkehr aus der Pension die herzlichste Aufnahme in dem Freundeskreise des blinden Professors Schlüter, in dessen Hause ich manche Anregung zu dichterischem Streben empfing. Doch dauerte s noch ziemlich lange, bevor ich es wagte, dem Genannten meine poetischen Versuche vorzulegen. In Gemeinschaft mit Schlüter habe ich in den 60er und 70er Jahren Gedichte von Fr. W. Faber, Felicia Hemans und Mrs. Mac Mullock aus dem Englischen übersetzt, die hier bei Russel erschienen sind. Lyrische Gedichte, deren Zahl indes beträchtlich angewachsen ist, habe ich noch nicht veröffentlicht, nur das eine oder andere Gedicht für das hiesige Sonntagsblatt gegeben. Augenblicklich erscheint in der Sonntagsbeilage des Westfälischen Merkurs eine Reihe von Stimmungsbildern „Die Glocken Romfahrt“, worin ich den Volksglauben, dass die Glocken in den letzten Tagen der Karwoche nach Rom fahren, behandele (Prosa).

Mein äußeres Leben verläuft indes ziemlich still, nur habe ich fast in jedem Jahre mit meinen Pflegeeltern größere Reisen gemacht, die uns bald nach der Schweiz, bald nach Tirol und Norditalien geführt haben. Nach dem Tode meines Pflegevaters lebe ich mit meiner Pflegemutter in gewohnter Weise fort. Unsere behagliche Häuslichkeit, ein gewählter Verwandten- und Freundeskreis bietet uns manches Angenehme, legt aber auch manche Pflicht auf, so dass nur die Mußestunden der Muse gewidmet sein können. Ich bin weit entfernt davon, eine gelehrte Frau zu sein oder sein zu wollen, da ich mir nur zu gut bewusst bin, dass die Hauptaufgabe unseres Lebens darin besteht, den Anforderungen des Tages, den kleinen Pflichten des Hauses gerecht zu werden.

Ihre letzte Aufforderung, für eine andere Arbeit Fotografie und Dichtungen einzusenden, gilt gewiss nicht für Anfänger, wie ich es doch immerhin bin. Sollten Sie es aber trotzdem wünschen, werde ich Ihnen beides zur Verfügung stellen. Mich Ihnen, geehrter Herr Konrektor, bestens empfehlend, zeichne ich hochachtungsvoll

A. Jüngst

LESUNGEN ausgewählter gedichte

Pfarrdechant Jürgen Schäfer

Antonie Jüngst galt als gemüt- und seelenvolle Dichterin. Beim Schreiben schöpfte sie aus Gegenwart und Vergangenheit, aus Gott, Welt und Natur.

Rezensionen ihrer Werke betonen etwa die „Erhabenheit des Meeres und der Hochalpen, die Lieblichkeit des Mittelgebirges und verträumter Dörfer und Kleinstädte“. 1923 notierte jemand im Rückblick auf ihr Leben: „Der herben Schönheit des Westfalenlandes und der kernig-treuen Art ihrer Bewohner hatte stets Antonie Jüngsts besondere Liebe gegolten.“

Ausgewählte Gedichte von Antonie Jüngst werden Ihnen hier vorgestellt – gelesen von Museumsleiterin Constanze Döhrer, Heimatfreund Friedrich Brinkbeumer, Kulturdezernent Alexander Ruhe, Museumspraktikantin Catharina Bülhoff, Lateinlehrerin Birgit Berendes und Pfarrdechant Jürgen Schäfer.


die sammlung jüngst in münster

Sammlung Jüngst

Seit 1986 beherbergt die Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB) die „Sammlung Jüngst“. In zwei Kapseln finden sich Korrespondenz, Gedichte und Lebensdokumente.

Dazu zählt die Titelseite des Münsterischen Anzeigers vom 9. Juni 1918, dem Tag nach ihrem Tod. „Sie ist heimgegangen zu ihrem Schöpfer, zu den Sternen der Ewigkeit“, ist dort in einem Nachruf zu lesen. „Nun ruht Antonie Jüngst aus von ihrem arbeitsreichen Leben, der liebe Gott hat sie, die ihn so innig liebte, zu sich genommen. Sanft ist unsere Dichterin hinübergeschlummert, dahin, wo es kein Leid und keine Schmerzen mehr gibt. Friede ihrer Asche!“

Die Sammlung steht Interessierten für Forschungszwecke zur Verfügung.

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